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Donnerstag, 26. März 2009

Goodbye Ghana, Hello Ethiopia

Nun ist es also soweit...mein Abschied. Heute hat mich Mr. H. wieder um halb fünf geweckt - in vertrauter Gewohnheit. Ich werde ihn wohl etwas vermissen, meinen guten alten Freund den Hahn.
Resüme: Ich habe das Paradies gefunden und werde es vermissen. Um ehrlich zu sein, hätte ich auf das ein oder andere nicht so paradiesische auch verzichten können, aber gut: Wo ist es schon perfekt ;). Sonst ist eigentlich alles gelaufen, wie geplant. Hier und da etwas chaotisch aber Internet Cafe und Computer Lab stehen jetzt.

Ist es ein Vogel, ist es ein Flugzeug....nein es ist...es ist...SUPER-Genni! Nach ihrem erfolgrichen Kampf gegen Isolation und gesellschaftliche Verdummung macht sich SUPER-Genni auf zu neuen Abenteuern
So, Schluß jetzt mit dem Größenwahn. Ich wünsche euch erstmal eine riesen Portion Vanilleeis mit einer Hand voll Schokostreusel!

Erstmal bis dann,
Die Genni

Sonntag, 22. März 2009

In den letzten Zügen

Heute bricht meine letzte Woche hier in Ghana, bzw. meine letzten drei Tage in Bamboi an. Die letzte Woche war arbeitsreich und hier und da etwas anstrengen. Ich wundere mich immer wieder darüber, wieso die Schule die letzten paar Jahre so vor sich hingedümpelt ist, und jetzt plötzlich alles funktioniert. Gut, es ist teilweise etwas umständlich und man braucht Fantasie und Kontakte um Dinge zum laufen zu bringen, vor allem, wenn es pronto gehen soll. Aber ich hab es trotzdem geschafft, innerhalb von wenigen Wochen die seit Jahren in der Schule unbenutzt umherstehenden Computer zu einem Computer Lab zusammen zu stellen, vernünftige Fenster in allen Klassenräumen einbauen zu lassen (na ja, alle sind noch net fertig..., aber das Equipment gibt’s schon mal), damit die Schüler in der Regenzeit net nass werden und die scheiß Termiten zu vernichten. Nebenbei hab ich noch der Gemeinde eine zusätzliche Einnahmequelle in Form eines Internet Cafés beschert.


Und woran liegt das? Wenn ich das wüsste. Vielleicht brauchen die hier in Ghana einfach nur jemanden, der ihnen Beine macht, sagt, was wie gemacht werden soll und die Planung in die Hand nimmt. Nur am Geld kanns net liegen. Was ich bemerkt habe ist, dass es hier an Eigeninitiative fehlt. Die kriegen das hier aber auch einfach net beigebracht...wenn ich mir hier so den Unterricht in der Schule angucke...manman, Frontalunterricht erster Klasse, gepaart mit vollkommenem Desinteresse der Lehrer. Das fängt hier ja schon im Kindergarten an. Interaktion gleich Null.
Was hab ich sonst noch die letzte Woche so getrieben? Nachdem ich ja in der Woche davor die ganzen Utensilien besorgt habe, war ich Montag und Dienstag mit der Organisation und der Beaufsichtigung der Arbeiten beschäftigt. Also Pendellei mit Fahrrad zwischen Internet Café im Dorf und der Schule etwas außerhalb. Am Dienstag kam der Pagaa im Laufe des Nachmittags irgendwann an und meinte, dass es Probleme gäbe wegen der Steckdosen...wir hätten zwar die Boxen dafür, aber die eigentlichen Steckdinger würden fehlen. Also müssten wir am Mittwoch wieder nach Techiman und reklamieren. Das hat mir gar net gefallen, weil ich eigentlich am Mittwoch in Girma eingeladen war, da David seinen 20. Geburtstag feiern wollte. Aber Gott sei Dank fand der erst abends statt – so gegen fünf. Und die Vorstellung, mit Pagaa wieder nen Tag zu verbringen, fand ich net sonderlich erquickend. Der ist nämlich ein Planungsgenie – das letzte Mal hatta z.B. seine Estimates bzw. die Einkaufsliste vergessen. Und wer hat NATÜRLICH daran gedacht, ihre Kopie der Estimates einzustecken...??? Die Genni. Genni kennt doch ihre Pappenheimer. Ohne das Ding wären wir damals ziemlich aufgeschmissen gewesen und der ganze Weg wäre dann umsonst gewesen. Ich habe mich mit ihm um halb acht für den nächsten Morgen verabredet – er kam um kurz vor neun. Ich habe in weiser Voraussicht etwas länger geschlafen und mit Zeit beim Frühstück gelassen. Sauer war ich trotzdem – vor allem, weil er NATÜRLICH nicht daran Schuld hatte, das er zu spät war, sondern irgendjemand anderes, auf den er warten musst. Hätte er net anrufen könne? Ne...sein Handy hatte kein Units mehr gehabt. Er hat doch ein zweites?! Ja, aber da ist der Bildschirm kaputt und er kann so NATÜRLICH nicht die Nummer suchen. Hätte er da nicht die Nummer aus dem anderen Handy ohne Units in das Handy mit Units eintippen können? Stille...Genni hat gewonnen! Er war aber wenig einsichtig.
Also, wir wieder stundenlang in Techiman rumgeirrt, weil Pagaa halt vorher net den Weg plant und sich danach darüber beschwert, dass wir durch das Rumgeirre Benzin verschwenden...Oh man.
Barclays Cash-Mashine war 'kurzzeitig' kaputt, was unseren Aufenthalt 'etwas' verlängert hat. Fenster gekauft, Rabatt ausgehandelt (Genni ist stolz auf sich!). Drucker von der Reparatur geholt. Passfotos für äthiopisches Visum gemacht – voll krass mit rotem Hintergrund. Lebensmittel eingekauft. Sperrholz gekauft. Pagaa war bei der Post und beim Printing. Um vier haben wir dann endlich Techiman verlassen können. Auf dem Weg von Techiman nach Girma – ich habe darauf bestanden, dass die mich nach Girma bringen - mussten wir dann den gesamten Kram auf der Ladefläche des Pickups umschichten, weil wir ans Wasser mussten, um den Kühler nachzufüllen. Irgendwann gegen halb sechs war ich dann in Girma. Total erschlagen. Aber das von Mario zubereitete Essen (er ist Koch) hat mich für alles entschädigt. Und dieser super Kuchen von Bridget...hach, ich werde Girma vermissen. Da fühlt man sich immer willkommen und wirklich zu Hause. Father Francis ist toll, und David auch. Bridget hat übrigens an unserer Vocational School gelernt :). Wir hatten noch einen Gast. Lowell, ein Amerikaner der Bäume pflanzt. Also, der macht auch in Entwicklungszusammenarbeit. War ein sehr netter Abend, nicht nur wegen des Essens. Francis hat mir nochn paar Gruselgeschichten mit Schlangen und Skorpionen in der Hauptrolle aus Bamboi erzählt. Das hat dazu geführt, dass ich jetzt jeden Abend vorm zu Bett gehen mein selbiges nach unerwünschten Gästen durchsuche. Man kann mir doch so etwas nicht erzählen, mir, der alten Paranoia-Tante. Lowell hat seinen Senf dazu gegeben und gemeint, wenn man um eine Skorpion einen Feuerring legt, dann bringt er sich selbst mit seinem Stachel um. Und just an diesem Abend hat Tiger – die Hauskatze – einen Skorpion entdeckt. Leider haben die Jungs aus dem Skorpion Marmelade gemacht, bevor ich einen Feuerring legen konnte. Schade, ich hätte gerne Suicide-Scorpion gesehen.
Ja, etwas wehmütig hab ich mich am Donnerstag von Grima verabschieden müssen. Aber irgendwann komme ich wieder. Bestimmt!
Weil St. Joseph (der Joseph von Maria) war hat mich New Longoro zum Abend-chop eingeladen. Ich habe gern angenommen und hab mich mit dem Fahrrad auf den Weg gemacht und wurde voll von einem Unwetter erwischt, das die Welt noch net gesehen hat. Ich habs bis zur Kirche in New Longoro geschafft, für die 30 Meter bis zum Haus wars schon zu sintflutartig. Ich saß also nass und vor Kälte! Zitternd mit einem ständig durch Blitze erhellten Jesus am Kreuz in der Kirche und fand diese Situation echt gruselig, zumal es kein Licht gab und es anfing, zu dämmern. Irgendwann kamen dann Apollo, Martin und Mario mit ihrem 4-Wheeler aus dem Point 7 um mich abzuholen. Die blieben natürlich prompt vor der Kirche im Schlamm stecken. Super. Na ja, das Essen danach war gut, es gab Klöße und Schwein. Tags darauf war ich wieder in New Longoro, weil Mario mich gefragt hat, ob ich Lust hätte, Ashley - eine US-Peace-Corp Volontär- und ihm beim Bemalen der Schule mit einer Weltkarte zu helfen. Aber klar. Greg aus Techiman war auch dabei, kurz bevor ich gegangen bin kamen noch zwei Mädels – eine hieß Terry – alles Amis. War ein netter Tag, war aber auch froh, als es wieder nach Hause ging. Samstag haben wir die Computer ins Café gebracht und angeschlossen. Es laufen alle, 4 haben Internet, der Rest ist zum schreiben und für Kurse gedacht. Genni hat Bamboi erfolgreich vor der Isolation bewahrt ;).
Sonntag war eher ruhig – zumindest ab nach dem Mittag. In der Kirche wars ganz lustig -also, weniger für die anderen als mehr für mich. Ich hatte wieder Kopfkino, was daran lag, dass ich einfach mal ¾ des Gottesdienstes nicht verstehe auf Grund der Sprache und ich deswegen nach Beschäftigung suche. Erst musste ich an einen Klein-Fritzchen-Witz denken, als Aurelio mit dem Weihrauch an mir vorbei ist:
Klein-Fritzchen ist zum ersten Mal im katholischen Gottesdienst. Als der Pater weihrauchschwenkenderweise an ihm vorbei geht, springt Klein-Fritzchen auf, läuft hinter dem Pater her und zupft ihn am priesterlichen Gewand und sagt aufgeregt: „Tante, dein Täschchen brennt!“ Konnte mir ein Grinsen net verkneifen.
Dann bei der Übergabe der Kollekte. Hier geht die Kollekte so ab, dass erst die Männer von den hinteren Reihen nach und nach bis zu den vorderen nach vorne zum Altar gehen, um Geld in eine Holzkiste zu werfen. Dann dasselbe mit den Frauen. Ich mache das net mit und werfe meine Kollekte erst nach dem Gottesdienst in die Kiste. Danach geht dann eine Delegation, zum größten Teil aus jungen Mädels bestehend, mit Kiste in den hinteren Teil der Kirche und danced dann hüftschwingend unter wildem Getrommel nach vorn zum Altar. Da ich immer hinten in der letzten Reihe rechts sitze – nah an den Fenstern – sehe ich irgendwann nur noch die Köpfe mit den kurz geschnittenen Haaren, die im Takt hin und her schunkeln. Heute musste ich dabei an die Mitglieder des Ghana-Arbeitskreises der Gemeinde in MD denken -also, an die Mitglieder, die ich kenne. Und da begann mein Kopfkino. AJ und PvP nebst Frauen wild hüftschwingend auf Pater Clemens, auch nicht gerade unbewegt, zu. Die Damen Bastkörbe mit Yam in den Armen. Ich hätt mich kringeln könne – habs aber gelassen aus Demut vor dem Herrn :) und der nach Ernsthaftigkeit verlangenden Prozedur... ;)
Am Ende des Gottesdienstes hat sich Aurelio brav von mir verabschiedet – dieses Mal vorher mit mir abgesprochen und deswegen ohne Präsentation meinerseits vor der Gemeinde – und den Leuten erklärt, das es jetzt ein Internet Café gibt und das alles mir und der Gemeinde in MD zu verdanken sei – die Dankesrede war net abgesprochen und deswegen bin ich etwas auf meinem Platz zusammengesunken. Ich dachte ja, mit dem nachfolgenden Applaus wäre es das gewesen. War für mich vollkommen ausreichender Dank, schließlich war das, was ich hier bekommen habe unbezahlbar und demnach wär' ich eigentlich diejenige gewesen, die sich hätte bedanken müssen.
So, ich zurück in mein Zimmer, klopfts, steht einer der Kirchenältesten vor der Tür. Ich soll mich auf einen Stuhl vor die Tür setzen, die Gemeinde wolle sich bedanken. Ähh...ist net nötig. Echt nich...haben die doch schon in der Kirche...alles gut! Nein...ich soll mich jetzt auf meinen Hosenboden auf einen Stuhl vor meine Zimmertür setzen. Jut...ich warte also vor meiner Zimmertür. Kommt ne Prozession von Frauen und Männern unter Trommeln und Singen den Weg von der Kirche zum Haus runtergetanzt. Stellen sich vor mir auf und singen was, wo immer mal wieder Sister Gennet (also, die nennen mich hier immer Sister) drin vorkommt. Ich hab mich natürlich gefreut über den Dank aber die viele Aufmerksamkeit und die Mühen war mir doch etwas unangenehm. Aber das ist hier nun mal die Art, Danke zu sagen und dementsprechend hab ich das auch angenommen, aber zum Tanzen haben die mich net gebracht...Äthiopischer Rundtanz zu Ghanaischem Singsanggetrommel – das geht net gut ;).
So, die nächsten Tage nochn bisschen Organisationszeug. Am Dienstag eröffnen wir das Café, mal sehen, wie das abgeht. Werbund ist hier net nötig - alles verbreitet sich hier wie ein Buschfeuer...auch Gerüchte. Ich hab zumindest noch nix dafür vorbereitet. Mittwoch packen. Donnerstag ganz früh los. Freitag shoppen in Accra und mal sehen, was eventuell noch gebracht wird für Bamboi. Vorher hört ihr aber noch mal von mir.

Sonntag, 15. März 2009

„Dig, dig, digdigdig“, doppeltes Techiman und Klosterbesuch

Damit es euch ja nich langweilig wird: hier wieder mal was vom Schwarzen Kontinent. Genni hat abwechslungsreiche 10 Tag hinter sich, die Zeit ist vergangen wie im Flug. Apropos Flug: in ziemlich genau 10 Tagen werde ich dabei sein, meinen Rucksack zu packen, weil es am 26. ganz früh morgens nach Accra geht, um dort meine letzten zwei Tage in Ghana zu verbringen. Ich muss gestehen, ich werde wohl mit einem lachenden – endlich wieder richtiges Essen...ich hab letztens erst wieder vom Zander in Kartoffel-Kruste im „Gut und Gern“ geträumt...mit nem schönen Riesling, hach, na, erst nach Äthiopien – und einem weinenden Auge gehen. Ich befürchte, ich werde das hier schon ganz schön vermissen. Mehr davon später im Resümee.
Am 06.03.1957 ist Ghana in die Unabhängigkeit von den Briten entlassen worden, was hier jedes Jahr mit rummarschieren, trommeln und salutieren gefeiert wird. Genni war mittendrin statt nur dabei: ich hab auch mal kurz mit den Armen rungeschwungen - sah aber reichlich albern aus.
Die Schulen (die katholische ist die in der grünen Uniform) marschieren dann im „Park“ vor einem relativ interessierten Publikum und salutieren dann vor der Polizei. Die Art und Weise wie sie marschieren, ist zum schießen und wird die ganze Zeit von „Dig, dig, dig“- und „march, march, march“-Rufen aus dem Publikum begleitet. Es ist wohl gleichzeitig sone Art Wettbewerb in dem die einzelnen Gruppen im Salutieren und Marschieren gegeneinander antreten – die Kindergärten sind dabei außer Konkurrenz, die sind nämlich am niedlichsten und absolute Sympathieträger.

Cashewfrucht essender Zuschauer
Abends war ich dann noch kurz zum Abend-chop in New Longoro, vorm Essen hat mich Otmar noch durch die Gemeinde geführt und ein bisschen mit mir erzählt. Er ist zwar, wie schon bemerkt, etwas eigen, aber dafür bewegt er auch wirklich was. Unglaublich, wie er sich einsetzt und was er alles für Projekte am laufen hält und wie viel Geld er immer aus Österreich rankriegt um noch mehr Projekte zu realisieren. Aber um ehrlich zu sein, sind hier alle ausländischen Priester etwas eigen- oder, etwas netter ausgedrückt, besonders...sonst hält man das hier wohl auch auf Dauer nicht aus, mit dem, was man jeden Tag zu Gesicht und zu Ohren bekommt. Vielleicht liegts auch am Orden...
Das We war dann allerdings relativ ruhig – weiß gar net mehr genau, was ich gemacht habe...war auf dem Markt am Samstag Nachmittag, wie halt jeden Samstag und Sonntag hab ich wohl nix gemacht, oder so.
Auf dem Markt in Bamboi
Am Montag bin ich dann das erste nach Techiman. Bin mit Mario und den „Boys“ gefahren. Die „Boys“ sind Waisen oder Halb-Waisen, die der Otmar bei sich aufgenommen hat. Ich finde, dass diese Sammelbezeichnung "Boys" einen etwas komischen Nachgeschmack hat, wenn man bedenkt, dass es wirklich alles NUR Jungs sind... Es sind allesamt echt liebe Kerle und wir hatten nen netten Tag zusammen in Techiman. Mein Hauptgrund war Geld holen für die anstehenden Einkäufe für die Schule und Lebensmittel einkaufen – u.a. Milchpulver und Ketchup um mal etwas Abwechslung in meinen Speiseplan zu bekommen, der momentan nur aus Nudeln, Reis und ab und zu mal Fufu besteht. Am Donnerstag bin ich dann das zweite mal nach Techiman, um mit Pagaa die Einkäufe zu erledigen. DAS WAR ECHT ANSTRENGEND! Erstmal hatta mich ne Stunde warten lassen, dann hatta sich ab Wenchi die ganze Zeit darüber aufgeregt, dass wir auf die Schülerinnen warten mussten, die sich was zum essen geholt haben, während er ne dreiviertel Stunde in der klimatisierten (!) Bank Geschäfte erledigt hat. Wie kann das denn auch angehen, dass, wenn er schon mit seinem dicken H... im Auto sitzt, er dann noch auf jemanden warten muss....das nächste mal fahren wir dann einfach ohne sie ab...lassen sie in Wenchi...wie können diese Gören es bloß wagen-- Ich hab mal darauf verzichtet zu erwähnen, dass ich ne Stunde auf ihn warten musste.
In Techiman führte uns einer der ersten Wege ins Elektro-Geschäft. Leute, ich verstehe nicht, wie die hier Geld machen können...wir haben um 10 Items zu kaufen 2,5 Stunden gebraucht. Zum Schluss wäre ich beinah wie ein Derwish durchs Geschäft gefegt, als er sich dann ständig beim zählen der 44 Zehn-Ghana-Cedi Noten verzählt hat. Ich hab dann für ihn gezählt. Vorher haben wir 30 Minuten damit verbracht, ihm zu erklären, dass wir zwei verschiedene Rechnungen brauchen – eine für die Schule und eine für die Gemeinde, mit den jeweiligen Items drauf. Denn haben die ständig das falsche Zeug aus dem Lager geholt – das nach der Zeit zu urteilen ne Strecke entfernt war. Dann haben die die Glühbirnenhletrungen runter geschmissen und hätten beinah net mehr genug gehabt. Dann sind ständig Kunden rein und haben sich dann auf den halben qm neben mich gedrängt, die hatta dann immer nebenbei noch bedient, anstatt sich einfach mal auf uns zu konzentrieren und das mal schnell abzuwickeln. Es war ja nu net so, als hätten wir nix anderes zu tun gehabt...Hier ist dann zum zweiten Mal in Ghana meine Ader auf der Stirn hervorgetreten – ich war echt kurz vorm platzen. Es war ja nu nicht so, dass der Typ, der uns bedient hat, ne Aushilfe war – nein, es war der Chef. Dass das ausgerechnet mir, der Personifizierten Ungeduld, passieren muss...tztztz. Danach haben wir dann noch zwei Drucker zum Durchpusten gebracht und haben die Mädels beim Markt raus gelassen, damit die für ihre Party am Freitag was einkaufen konnten. Dann sind wir zum Sägewerk gefahren um Latten zu kaufen und zu zuschneiden zu lassen. So, der Typ – wahrscheinlich hieß er wieder Mohammed, Moslem war er auf jeden, das hab ich daran gemerkt, wie er Geschäfte gemacht hat – wollte uns dann neben dem horrenden Preis für das Holz dann noch Geld für die 20 Meter Transport zur Säge und das sägen selber abknöpfen. Ich war noch voller Wut vom Elektro-Laden und hab meinem kleinen Freund dann erstmal einen Vortrag über Service und Kundenbindung gehalten. Hat eigentlich nix gebracht, weil er ein Monopol hat – zumindest in der näheren Umgebung. Blöd gegrinst hatta, was bei Ghanaern heißt, dass sie net wissen, was sie sagen sollen. War mir aber egal – ich war sauer. Letzte Station an dem Tag war ein anderer Elektro-Laden direkt am Markt, weil wir im ersten nicht alles bekommen hatten. So, die Langsamkeit scheint eine Elktro-Laden-Besitzer Krankheit zu sein, oder alle, die einen Elektro-Laden besitzen sind einfach selten dämlich und richten deswegen bei einem Elektro-Laden am wenigsten Schaden an...oder so. Das selbe Spiel von vorne. Ich muss dazu sagen, dass nicht nur mich als Deutsch diese entsetzlich Lahmheit angekotzt hat, auch Pagaa hat irgendwann die Geduld verloren und hat voll aufgedreht.
Letzten Endes war ich gegen halb zehn zu Hause, was für ghanaische Verhältnisse echt spät ist, wenn man bedenkt, dass die alle um neun schon inner Falle liegen.
Am nächsten Morgen gings dann auch wieder früh los nach Girma. Ich wollte mal wieder vernünftig essen :) und bevor ich gehe noch einmal den Father Francis sehen, der mir echt ans Herz gewachsen ist. Wär der net katholischer Geistlicher und vielleicht mal so 20 Jahre jünger...hach, der hat so schöne blaue Augen *schwärm*. Ich bin mit Mario hin, der ab Sonntag mit David und Francis in die Volta Region wollte, um dort für ein paar Tage einen anderen Pater zu besuchen. Taxifahrt war wieder super-gequetscht. Hat aber der Fröhlichkeit net geschadet.

Im Taxi von Kintampo nach Girma

In Girma angekommen sind wir dann nahtlos weiter ins Benediktiner-Kloster Kristo-Buase, etwa ne halbe Stunde von Grima entfernt. Dort gabs Retreatment für die Katechisten aus den Outstations, neue Vorstände wurden gewählt und ne Andacht gabs auch.

Hat ne ganze Weile gedauert, die wir uns teilweise mit Umherstreifen versüßt haben -im wahrsten Sinne des Wortes. Die Mönche verdienen nämlich ihr Geld mit den Plantagen, die sie auf ihrem Grund und Boden bewirtschaften. Ewig weit erstreckende Cashewkern-Plantagen, Bananen, Mangos, Sternfrüchte, Orangen und, und, und.


Ich hab das erste mal in meinem Leben rote Sternfrüchte gesehen und Mongos vom Baum gegessen...ohhh...wie im Paradies. Wir sind dann auch noch auf eine Hügelkette gekrakselt – wobei ich als Flachländnerin den beiden Bergziegen gegenüber echt im Nachteil war. Aber die Anstrengung hat sich bei der Aussicht echt gelohnt.Am späten Nachmittag dann wieder zurück, haben den Abend ruhig ausklingen lassen. Am nächsten Morgen hatte ich dann ein längeres Gespräch mit Francis über die Schule – auch dieser Besuch war also nicht reines Vergnügen...Er war nämlich während es Baus der Schule Gemeindepfarrer in Bamboi und hatte so einiges zu erzählen und konnte mir bei der Klärung von Fragen helfen, die sich bei mir in den letzten Wochen angestaut hatten. War also sehr ergiebig.
So gegen drei haben mich dann die Jungs nach Kintampo gebracht, von wo aus ich ein Taxi nach Bamboi genommen habe. Eine Katastrophe, sag ich euch. Wir hatten erst die ganze Zeit Probleme mit der Kupplung, worauf der Motor immer mal wieder ausgegangen ist. Dann ist der rechte Vorderreifen geplatzt...wir hatten natürlich keinen Ersatzreifen dabei. Das hieß also warten auf das nächste Taxi, um Hilfe zu erfragen. Das kam dann auch nach einer viertel Stunde und der Fahrer hat uns bereitwillig einen Ersatzreifen gegeben, bei dem man an einer Stelle eine gute Sicht auf die Schicht unter dem Gummi hatte – also kein Profil – und der dann auch nur von zwei Muttern am Auto gehalten wurde. Na ja, er ist dann netter weise noch hinter uns her gefahren, was sich als äußerst hilfreich erwies, denn nach ca. 500 Metern ist dann wieder der Motor ausgegangen. Der Fahrer aus dem Taxi hinter uns – etwas älter und erfahrener als unser Jungspunt – hat dann kurzerhand das Ruder übernommen und den anderen dann mit seinem Taxi schon mal nach Bamboi geschickt. Nachdem er am Motor rum gewerkelt hat, lief der zumindest wieder. Nach 10 Minuten ist dann der linke Vorderreifen geplatzt. Da wir natürlich immer noch keinen Ersatzreifen hatten, hieß es also wieder warten – allerdings um einiges länger als beim ersten mal, da es schon langsam anfing zu dämmern und ab fünf eigentlich keine Taxis mehr fahren. So, irgendwann ging dann die Fahrt weiter. Nach einem Schlagloch ist uns dann die Motorhaube gegen die Windschutzscheibe geknallt – ein Glück, dass uns da gerade keiner entgegen kam, wir konnten da nämlich nüscht mehr sehen. Das hat dazu geführt, dass unsere Windschutzscheibe kurz vorm bersten war – noch mehr Sprünge, als sie eh schon hatte. Ich bin mir auch net ganz sicher, ob das wirklich Sicherheitsglas ist, was die da als Windschutz benutzen. Der Taxifahrer – dem das Taxi, wer mir vorhin net folgen konnte, nicht gehörte, sondern der nur netter weise geholfen hat (er hat mir gesagt, dass ich das Foto nur zeigen darf, wenn ich ausdrücklich dazu sage, dass das NET sein Taxi ist) – hat dann zu mir gemeint, dass ich nun wirklich in Afrika angekommen sei...

Also, ich bin ganz froh, dass nix schlimmeres passiert ist. In den letzten paar Wochen sind hier nämlich einiges an Unfällen passiert, was unter Anderem auf den wirklich erschreckenden Zustand der Fahrzeuge zurückzuführen ist. Hier eine kleine Auswahl:

1. Letztens ist n Trecker mit Anhänger mit ner Trauergemeinde (um die 40) auf dem Weg nach Kintampo den Berg hoch und leider auch wieder runter - allerdings rückwärts (Bremsen kaputt). Alle tot.
2. Neulich war hier riesen Gewitter. Irgendwo zwischen hier und Techiman hats ne Überlandleitung gekappt, die ist dann auf ein Taxi, 5 wurden gegrillt (irgendwie hab ich gehört, da sollen mehr in dem Taxi gewesen sein, also noch Überlebende) - versteh ich allerdings net, wie das bei nem faradayschen Käfig passieren kann...na, wer weiß, aus was die Autos hier sind...und wenn die Löcher haben - Prost Mahlzeit. (Papa, willste dazu vielleicht mal nen Kommentar schreiben oder erörtern wir das dann über Skype? Da haben dann allerdings die anderen nix von ;-))
3. Kurz nach Girma hat es vor drei Wochen nen total überladenen (40 Tonner mit 60 Tonnen drauf, wie die hier halt alle rumfahren) LKW zerrissen, was noch net wirklich schlimm ist. Allerdings hat der Bursche sein Ding net vonner Straße geräumt, was dazu geführt hat, dass die Ladefläche die ersten fünf Sitzreihen eines Busses geköpft hat und danach ist irgendwann noch ein Kia rein, allerdings ohne Tote.
4. Letzte Woche ist in ein Tro Tro von hinten ein Motorrad rein – keiner weiß, wieso der nicht einfach überholt hat. Eventuell war der Fahrer betrunken oder das Tro Tro net beleuchtet. Hat den Fahrer und den Beifahrer allerdings 'nur' gebrochene Hände und Arme gekostet.
5. Ende letzten Monats hat ein Bus einen Unfall mit einem dieser LKWs gehabt, die so hoch beladen wie lang sind...27 Menschen hat das das Leben gekostet.

Nun ja, ihr seht, hier ist viel los – vor allem, was Unfälle betrifft. Die meisten hätten wohl verhindert werden können, wenn die endlich mal verstehen, was Instandhaltung bedeutet und die eventuell auch mal an die Zukunft denken und nicht immer nur im Jetzt leben – von wegen vollkommen überladenen LKWs anstatt vielleicht mal zwei mal zu fahren und damit Zeit, Benzin und vielleicht auch Todesfälle zu sparen. That's Africa....

Donnerstag, 5. März 2009

Getroffene Hunde bellen und Rüsselschau

Zum ersten Teil der Überschrift nur so viel: Ich wurde nicht festgenommen und bin von der „Miss Marple von Bamboi“ zum „Prügelknaben von Damongo“ geworden...beiden Rollen gefielen mir überhaupt net. Aber was solls...als Künstler muss man heutzutage nehmen, was man angeboten bekommt ;). Schlimmer geht immer... Never mind.
Die Rüsselschau ist auch viel interessanter für euch. :) Wird länger...also teilts euch ein...dafür wird in den nächsten Wochen hier in Ghana wohl nicht mehr viel Unterhaltsames passieren ;).
Allerdings hab ich, bevor ich zu den Rüsseln gefahren bin, noch einen kleinen Abstecher in die Nähe des Bui Nationalparks gemacht um dort am Sonntag am Tain zu chillen mit Apollo, Martin und Mario.

Links: Apollo, der mit dem Hut: Martin

Die hatten noch zwei Katechisten-Freunde dabei – also, zwei Ghaner, die ab und zu mal den Gottesdienst vom Pfarrer übernehmen – ich kann mir aber leider nie die Namen merken, bzw. die Gesichter zu den Namen, weil die hier für mich alle irgendwie gleich aussehen und ich ständig neue Leute kennen lernen. War super entspannt und echt schön. Krokodile hab ich leider net gesehen, dafür aber Fisch und Vögel. Mich haben da ne Menge von den Onku Flies gestochen, das sind Sandfliegen, die die Flussblindheit übertragen. Keine Sorge, dagegen hab ich Medikamente...wenn die allerdings so helfen, wie die Malaria-Prophylaxe, dann Gute Nacht schöne Großmutter...Na, die ersten Anzeichen der Krankheit kommen so in nem halben Jahr – muss ich halt drauf achten.
Nach dem Flusschilling sind wir dann noch ins point 7. Das ist ne nette kleine Bar in New Longoro, wo wir dann, bzw. wo die dann, eins zwei Bier gekippt haben und ich an meinem Malzbier genuckelt habe – ich entwickle mich hier irgendwie zurück.

Abends hätt ich dann noch beinah in einen Skorpion rein gefasst, der an meiner Tür abgehangen hat...das wäre nicht so schön gewesen. Hätte die Scheinwerfer des Autos nicht meine Tür ausgeleuchtet...manmanman. Er ist danach in die Ewigen Jagdgründe hinabgestiegen – der hat sich ganz schön dagegen gewährt, dabei erwartet ihn dort doch das Skorpion-Paradies. Hat ihm wohl keiner gesagt...
Montag morgen gings dann sehr früh los – ich sollte ne Frühaufsteherpauschale verlangen :). Von Sawla nach Damongo war die Straße eine Farce. Mir tat am nächsten Tag alles weh. Aber gut, nachdem ich den Generalvikar getroffen hatte, hat mich Aurelio in den Mole Nationalpark, der gleich um die Ecke lag, gebracht. Da wollte ich die Nacht verbringen um am nächsten Morgen die Safari mitzumachen und evtl. die Chance zu bekommen, danach den Bischof in Damongo zu treffen. Aurelio hatte noch einiges in Damongo zu tun, hat eh schon mal 6 Wochen in Mole gelebt und die Elis haben ihn auch net weiter interessiert. Unsere Wege haben sich also vorerst getrennt und mal ne Pause voneinander tut auch mal ganz gut...
In dem Hotel hat es nur so gewimmelt von Bruninis. Die meisten waren tatsächlich Deutsche. Und dementsprechend waren die Preise auch gesalzen. Ich hab mir einfach mal ein Zimmer mit Klimaanlage, Fernseher und Kühlschrank gegönnt und hab mir erstmal gleich nach Ankunft ne kalte Cola und eine Ladung CNN reingezogen. Endlich mal wieder informative Nachrichten! Ich muss zugeben, ein bisschen American Idol (für die ältere Generation von Lesern: Das ist der Vorreiter von Deutschland sucht den Superstar aus den USA...das ist die Sendung, wo Dieter Bohlen immer der Buh-Mann ist und die kleinen Jungs und Mädchen, die unbedingt so werden wollen, wie er, beleidigt...gut, und wer jetzt net weiß, wer Dieter Bohlen ist: Google!) hab ich auch geguckt, aber nur, weil ich draußen noch keine Affen gesehen habe ;-).
Nach einer Weile hab ich mich dann auf gemacht, die Gegend zu erkunden. Das Hotel liegt auf nem Hügel von dem aus man das ganze Reservoir überblicken kann – 2400qkm reinste Savanne. Es gibt eine kleine Plattform von der man einen super Blick auf ein Wasserloch hat, zu dem die Tiere dann immer zum trinken kommen. Da hab ich mich erstmal niedergelassen und hab den Abend bis zum Essen dort verbracht.

Nach einiger Zeit haben sich Linda und Susi zu mir gesellt. Linda ist 25 und studiert Lehramt Sport und Deutsch in Göttingen und fängt nach ihrer dreimonatigen Volontärstätigkeit an einer Schule in einem Dorf in der Nähe von Accra ihr Referendariat in Braunschweig an. Susi ist 26, kommt aus Gardelegen (quasi-Homie!!!) und studiert Sozialpädagogik in Lüneburg (doppelt-quasi-Homie!!!!!!). Sie ist in dem selben Dorf gelandet, wie Linda – da gibt’s insgesamt 40 Volontäre – und arbeitet seit ca. einem Jahr in einem Kinderheim und fliegt Ende dieses Monats zurück nach Dtl.. Die beiden sind also zusammen nach Mole gekommen. Wie ich während meines Aufenthalts feststellen musste, boomt das Volontärgeschäft in Ghana. Irgendwann hat sich dann auch William, ein Tischler aus Glasgowshire (hört sich so an: Glasgoscha), GB, zu uns gesetzt. Der reist einfach nur so zwei Monate durch Mali und Ghana und hat dies auch schon in anderen Ländern in Afrika so gehandhabt. Wir haben uns noch lange über seine Reisen und Entwicklungszusammenarbeit unterhalten – mit der er auch schon so seine Erfahrungen gemacht hat.
Gegen halb sieben gabs bei mir Essen und ich bin dann auch sehr erschöpft von der Reise und dem Gesprächen und der Hitze und den Eindrücken und..und..und..bald darauf in mein Zimmer. Es sollte am nächsten Morgen ja auch schon wieder früh auf Fuß-Safari gehen.
Die Safari am nächsten Morgen war super. Ich hab endlich meine ersten Rüssel gesehen – gleich zwei!!! Die sind so ca. 40 Meter vor uns mit Elefanten dran durch den Matsch gewartet. Ich muss zugeben, zwischen uns und denen war ein kleiner Graben... aber ich befürchte, wenn die gewollt hätten, dann wären die nur einen großen Schritt von uns entfernt gewesen.















Denen sind wir dann auch gleich mal zum Wasserloch gefolgt, um ihnen beim Bad zu zugucken. Dabei haben wir auch ein großes Krokodil aufgeschreckt. Ansonsten haben wir noch Antilopen gesehen und Wasserböcke und viele Vögelchen und Affen.
Ach, und Warzenschweine...also...ich muss sagen...die sind so was von hässlich...uha. Noch net mal deren Babies sind irgendwie süß. Die sind einfach nur kleiner...und genau so hässlich. Als Gott die Schönheit auf Erden verteilt hat, da hatte die wohl vergessen! Oder er wollte sie bestrafen. Weil die so lange Stelzen haben sind die zum fressen auch immer auf die Knie. Und wirklich wild sind die auch nicht. Die haben im Müll rumgewühlt vom Dorf das in der Nähe des Hotels lag. Leider hab ich dort auch das Foto gemacht, auf dem ihre abgrundtiefe Hässlichkeit am besten zu betrachten ist...
Gegen halb zwölf hat mich dann Aurelio wieder abgeholt, damit ich meine Audienz beim Bischof...wie soll ich sagen...'zelebrieren' kann. Mit dem hab ich mich dann in seinem wirklich beeindruckenden Büro unterhalten...na ja...verteidigt. War nicht so toll und ich wäre danach auch am liebsten SOFORT zurück nach Bamboi gefahren, weil ich KEINE Nacht mehr in diesem Damongo bleiben wollte. Ging leider net, weil der Aurelio abends ein Date zum Schweinefangen hatte (wir haben jetzt vier Schweine) und er den Entwicklungsbeauftragten der Diözese am Nachmittag noch treffen wollte. Hörbar zähneknirschend hab ich ihm dann gesagt, dass er mich dann zurück nach Mole bringen muss, weil HIER bleibe ich auf keinen Fall. Auf der Fahrt habe ich mich dann erstmal tierisch aufgeregt (übrigens kriegt MD immer nur einen Bruchteil meiner Wut mit – das meiste bekommt der arme Aurelio ab, weil der halt immer greifbar ist...also sollten die froh sein, das oft die Handy-Verbindung nicht hinhaut!), was dazu führte, dass ich mit ausgesprochen guter Laune wieder in Mole angekommen bin. Luft war raus, bei 20 Minuten Gezeter und Geschimpfe auch kein Kunststück, jetzt konnte ich wieder entspannen.
Beim Frühstück vorher habe ich noch Daniela (22) und Caro (23) kennen gelernt. Caro ist schon 6 Monate in Ghana und bleibt noch 6. Sie ist eigentlich Arzthelferin und arbeitet als Volontär im Krankenhaus zwei Std. von Accra entfernt. Daniela besucht sie gerade und studiert Sozialarbeit irgendwo im Harz – Nordhausen glaub ich.
Mit den vier Mädelts (Linda, Susi, Caro und Daniela) hab ich dann den Nachmittag am Pool verbracht. Zwischendurch gabs noch ganz schön Tumult, weil ein Pavian-Männchen in die Küche gegangen ist und eine Flasche Ketchup gestohlen hat – Gott sei Dank nur den von Maggi und net den guten von Heinz. Das Vieh hat sich dann unter einen Baum verzogen, sogar den Deckel abgedreht und genüsslich den Ketchup getrunken. Der schien das schon öfter gemacht zu haben...ich hatte leider keine Kamera dabei und hab mich deswegen auch bald wieder an unseren Pool-Tisch zurückgezogen, allerdings hab ich mit meinem Handy ein Photo gemacht. Der Rückzug war im Nachhinein keine sooo gute Idee, weil dem Vieh der Ketchup net genügt hat und er dann schnurstracks auf unseren Tisch zugelaufen ist, der gut gefüllt und vor allem nur von einer einzigen Person – nämlich von mir Unglücksvogel - besetzt war...fand ich net so lustig, vor allem nicht, weil ich wusste, was der so im Maul für Zähne hat und das die Männchen dieser Primatenart auch nicht ganz ungefährlich sind. Ich also aufgesprungen und Satz nach hinten, wobei ich beinah im Pool gelandet wäre...dann kurze Realisation, das mein Portemonnaie, Handies und Kamera ja auf den Tisch liegen und noch dazu die ganzen Taschen von den Mädels, Satz nach vorne – voll wagemutig :) - rumgebrüllt und schwupps, war der Affe weg...allerdings nicht ohne sich bedient zu haben...er hat jetzt Susis Senf. Die Tiere sind zum größten Teil Menschen gewöhnt, von daher eigentlich keine wirkliche Gefahr...aber wenn man selber die Tiere nicht gewöhnt ist, kann man sich unter Umständen falsch verhalten. Beim Elefanten-Bad zum Beispiel waren zwischen uns und den Elis vielleicht so 15 Meter – eigentlich müssten es 50 Meter sein.
Nach dem Abendessen haben wir dann noch in gemütlicher Runde am Pool gesessen und Bierchen getrunken. Kenia aus Canada, Matthias und Christina aus der Schweiz und Ian aus GB haben sich noch in der Runde eingefunden. Ian könnt ihr auch unter http://www.overlandtrombone.com/ betrachten. Der macht ein Jahr Afrika. Es war eine sehr lustige Runde aber wie es nun mal so ist: in Afrika ticken die Uhren anders. So gegen 24 Uhr hat sich die Runde aufgelöst...wenn man in der Woche auch immer gegen 21 Uhr im Bett liegt, kein Wunder. Man passt sich an.
Von links ab leerer Stuhl: Christina, Caro, Ian, Susi, Kenia, William, Daniela
Am nächsten Tag wurde ich dann abgeholt, von den Schweinen in einer echt kleinen Kiste – das die das überlebt haben bei der Hitze! - und Aurelio. Auf dem Weg habe ich noch kurz Photostopp an der ältesten Moschee Ghanas in Larabanga gemacht – allerdings nur ausm Auto, weil ich net zahlen wollte. Und den Mistery Stone hab ich auch noch begutachtet. Es heißt, dass man die Straße, die nunmehr um den Stein herumführt, eigentlich geradeaus bauen wollte...als man den Stein weggeräumt hat, war er jedoch am nächsten Morgen wieder genau an derselben Stelle, unerklärlicher weise.






Wie immer ging es net direkt nach Hause, sondern wir haben in Bole und in Tinga Stopp machen müssen wegen IRGENDWAS...das fiel mir echt schwer, weil ich doch unbedingt meine Berichte über Damongo nach Hause schicken wollte.
Hm, meine Mutter hat sich noch kurz vor meiner Abfahrt nach Damongo gemeldet und gemeint, dass Solan, einer meiner Cousins in Äthiopien, ins Krankehaus eingeliefert wurde und das es schlecht um ihn steht. Ich wurde gebeten, doch meine Pläne abermals zu ändern und direkt nach Deutschland zu fliegen. Nach langem Überlegen habe ich mich entschlossen, meine Pläne beizubehalten...bin ja schon groß und kann auch schon in Hotels übernachten. Evtl. ergibt sich noch was bei Freunden. Ich müsste also meiner Familie in Addis nicht auch noch zur Last fallen. Mittlerweile geht es ihm wohl Gott sei Dank wieder etwas besser. Mal sehen, was wird.
Sonst jübbit nüscht zu berichten. Warte jetzt auf Antwort aus MD. Termiten hab ich heute bekämpft – na, teilweise hab ich nur zugeguckt. Wir haben bei jedem Haufen die Königinnen gekillt...zumindest vermehren können sie sich net mehr.
Morgen ist Unabhängigkeitstag, da geht die Genni marschieren ;).

Freitag, 27. Februar 2009

Zwischenfazit

Ich bin nun also seit einem guten Monat in Ghana. Es ist jetzt so etwas wie Bergfest und dementsprechend der beste Zeitpunkt, ein Zwischenfazit zu ziehen – unverblümt!
Malaria sucks – das ist das erste, was mir einfällt. Und das werde ich jetzt einfach mal so stehen lassen. An dieser stelle würde ich euch gerne Carla Engel vorstellen.


Die habe ich als Schutzengel von Josi geschenkt bekommen und trägt den Namen, weil sie mich ein bisschen an die rasende Reporterin – Carla Kolumna - aus Bibi Blocksberg erinnert hat :) . Auch Elisabeth hat mir einen Schutzengel mit auf die Reise gegeben – vielleicht war das etwas viel Schutz auf einmal und er hat sich gegeneinander aufgehoben. Na ja, die beiden wussten schon, wieso sie mir die Engel geschenkt haben.


Eins werde ich euch vermutlich nach meinem Aufenthalt voraus haben – ich habe gelernt, die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen. Ein gutes Beispiel ist Strom...und Wasser. Wasser vor allem dann, wenn man gerade unter der Dusche steht und seine Haare voller Shampoo hat oder halt auf Klo war...bei 45°C im Schatten net soooo toll. Dann Gesundheitsversorgung...zu wissen, dass, falls man gerade am Verrecken ist, das Krankenhaus ne Dreiviertelstunde entfernt ist, macht einen ungemein vorsichtig. Bei mir sind mittlerweile erste Anzeichen einer extremen Hypochondrie zu erkennen. Es zwickt irgendwo...ohhh, ich muss ins Krankenhaus. Ich bin auf ein Steinchen getreten...hoffentlich bin ich net verletzt – nicht, dass Schmutz in die Wunde kommt. So in der Art.
Dann habe ich erkannt, wie unglaublich gut wir es in Deutschland haben. Mir war das wohl schon vorher bewusst, aber wenn man mit eigenen Augen sieht, wie es in anderen Ländern zugeht, dann wird einem erst klar, dass wir in Deutschland auf unglaublich hohem Niveau jammern. Und am beeindruckensten finde ich, das die Leute hier total zufrieden sind, mit dem, was sie haben. Na, zumindest beklagen sie sich nicht die ganze Zeit und Neid ist auch net zu spüren. Vielleicht liegt es daran, dass viele gar nicht wissen, was es alles gibt. Vielleicht ist es ihnen auch einfach egal und sie fühlen sich einfach nur wohl. Natürlich ist das Leben nicht einfach, wenn man nicht weiß, wo man am nächsten Tag das Essen her bekommt, aber ich weiß nicht, ob Mitleid nicht vermessen wäre. Man kann versuchen zu verstehen und zu helfen, das sich die Situation verbessert...aber Mitleid finde ich eines der schlimmsten Emotionen, die man einem Individuum gegenüber empfinden kann. Mitleid macht unbeweglich, starr, lässt die Gehirnwindungen einfrieren. Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine.
Außerdem vermisse ich: Meine Eltern; meine Freunde; Essen – vor allem Schokolade und Fleisch – ich bin hier nämlich zum Vegetarier geworden; baden; mal nicht mit juckenden Beinen aufzuwachen – ne, net wegen zu wenig Hygiene; in den Supermarkt um die Ecke zu gehen und zu kaufen, was das Herz begehrt; Umweltbewusstsein; ausschlafen (scheiß Hähne, übrigens wurde einer von denen von den Perlhühner zu Tode gehackt. Da haben wohl zwei Hähne gekämpft und sind in ne Truppe Perlhühner geraten, die so verwirrt von dem Tohuwabohu waren, dass sie einfach mal spontan für einen der Hähne Partei ergriffen haben und dann: Gib ihm! Er hats leider net überlebt. Sah nicht schön aus...Ob der die Perlhühner wohl auch jeden morgen um halb sechs geweckt hat? Na ja, ich hätte ihm einen schöneren Tod gewünscht!); schwitzen, wenn man Sport treibt und nicht immer und überall. Gut...ich bin momentan in meinem Auslandstief. Ich weiß, ich kann das später alles wieder haben, aber die, die mich schon länger kennen, wissen, wovon ich reden ;). Ich würde das jetzt nicht Heimweh nenne – ich finds hier eigentlich toll. Voll entspannt. Nur wenn man ins Ausland geht, dann gibt’s da so Phasen. Ums mal in 'Genni' zu sagen: Erst das Euphorie-Hoch: Boah, alles neu, alles anders, los---Entdeckungsreise. Dann Realisierung der Unterschiede: Boah, doch net alles Gold, was glänzt. Scheiß Unterschiede, alles doof, will nach Hause – da rutsch ich dann langsam ins erste Tief ab. Und dann geht’s wieder hoch: Boah, die Unterschiede sind doch nicht so doof, es geht halt auch anders und eventuell ist das sogar besser. Jut, und bis zum zweiten Tief, was nach dem zweiten Hoch kommt ;), komm ich meistens nicht...Vielleicht sollte man mit 26 Jahren sowas langsam mal abgelegt haben. So bin ich halt. Evtl. ändert sich das ja mit 30 - wie so vieles ;).
Na ja, und seit Dienstag stecke ich gerade im ersten Tief. Liegt wohl an den Entdeckungen, die ich an dem Tag gemacht habe...gehört hier aber nicht her. Es geht aber langsam wieder...
Ja, und sonst: Projekt läuft. Der Mammutanteil kommt wohl erst ab nächster Woche - dann gehts hier rund. Fühle mich momentan zwar etwas wie Don Quichotte, aber fange langsam an, alles mit gebührenden Abstand zu betrachten. Das ist etwas, wovon ich behaupten kann hier bisher gelernt zu haben: nicht alles persönlich nehmen.
Ich fahre am Montag nach Damongo zum Bischof und werde auf dem Rückweg mal im Mole Nationalpark vorbei gucken. Evtl. etwas länger, damit ich endlich hier mal Elefanten sehe. Kann doch net angehen, in Afrika gewesen zu sein und keinen Rüssel gesehen zu haben. Das wird mir vielleicht ganz gut tun, etwas raus zu kommen und mal Urlaub zu haben. Bislang habe ich jeden Tag, den ich hier war, in irgendeiner Weise mit der Schule verbracht – außer in der Malaria-Woche - und bin jetzt etwas abgestumpft.
Heute hat es übrigens geregnet. Von dem Happening gibst übrigens auch ein Video – echt beeindruckend!

Ach, und falls ihr das Gerücht vernehmen solltet, dass eine wütende Touristin in Ghana festgenommen wurde, weil sie einen Bischof verprügelt hat...das war dann ich. Macht euch dann keine Sorgen, ich komm da wieder raus - und wenn ich mich freikaufen muss ;).

Donnerstag, 19. Februar 2009

Genni, der Bankenschreck

Tamale ist die nächste Großstadt hier im Norden Ghanas. An und für sich ist es hier recht schön, nur dieses Verkehrschaos ist echt anstrengend.
Trotz noch immer kaputtem Auto haben wir uns entschlossen, am Dienstag nach Tamale zu fahren um endlich das Equipment für das Internet Cafe zu besorgen. Father Aurelio hatte wie immer früh Gottesdienst – er hält jeden Tag Gottestdienst, weil er mehrere Villages hat und nicht jeden Sonntag 10 Gottesdienste abhalten will, verteilt er sie über die Woche. Gott ist schließlich überall und immer, Anfang und Ende (auch der Woche ;)).
Wie zu erwarten war musste ich mal wieder auf ihn warten, wodurch sich unsere Abfahrt um eine allerdings lächerliche halbe Stunde verzögert hat – sonst isses mehr...
Gefahren sind wir drei Stunden, benötigt haben wir vier. Irgendwo nach Buipe kam das Auto zum erliegen. Zu Buipe muss ich euch aber erst was erzählen. Buipe liegt an einem der Flüsse, die in den Volta-Stausee – eines der größten, wenn nicht das größte, Binnengewässer Afrikas – fließt. Hier ist zum einen Öl-Umschlagplatz für die gesamte nördliche Region. Außerdem wohnt hier der Oberhäuptling. Er ist der, der die anderen Häuptlinge für diese Region ernennt. Wenn diese einmal ernannt worden sind, dann dürfen sich die beiden nie, aber wirklich nie wieder sehen – das ist wörtlich gemeint. Sollte der eine den anderen jemals zu Gesicht bekommen, wird einer von den beiden sterben. So, wenn der Bischof, zum Beispiel, die beiden sehen muss um irgendwas zu besprechen, haben wir ein Problem. Das wird so gelöst, dass einer nach dem anderen die 'Arena' betritt, währenddessen gibt’s ne Sichtsperre, dann setzten sich die beiden so hin, dass sie mit dem Rücken zueinander sitzen. Komische Traditionen hier. Da die Leute hier daran glauben, konnte auch noch nicht bewiesen werden, dass das net stimmt...hat sich halt noch keiner getraut.
Also, liegen geblieben kurz nach Buipe. Das war nervig und hat auch lange gedauert, bis wir wieder startklar waren. Das Auto kommt Donnerstag in die Werkstatt, dafür sorge ich.
In Tamale angekommen sind wir dann erstmal zum MTN Shop. MTN ist der Provider, für den wir uns für unsere Internetverbindung entschieden haben. Doing Business in Africa ist für Frauen mal voll fürn Arsch. Der Typ, Mohammed – keine Vorurteile!- hat mich auf einen Stuhl gesetzt, der hinter seinem Bildschirm stand, so das ich nicht besonders viel von dem Gespräch zwischen ihm und Aurelio mitbekommen konnte. Das ging mir irgendwann so gegen den Strich, dass ich kurzerhand seinen Bildschirm zur Seite geschoben habe und ihm erklärt hab, dass wenn er Geld für sein Zeug haben will, er auch mit mir sprechen müsste. Das führte zu betretener Stille. Es war jetzt nicht so, dass es irgendetwas gebracht hätte, ihn so anzufahren...aber Genugtuung hat es verschafft. Die muss ich mir hier erstmal erziehen. Jaja, ich weiß...cultural sensitivity blabla...sry, kann da net aus meiner Haut! Nachdem wir die Formalitäten geklärt hatten, sind wir zur Bank. Dort gab es erstmal ein tüchtiges Hin-und-Her, wo ich denn jetzt hin müsste. Als ich dann am richtigen Tisch stand, hat mich die Dame nicht verstanden, bzw. wollte mich net verstehen. Stattdessen hat sich mit Briefen rumhantiert während ich ihr erklärt habe, was ich wollte – als ob unsere Kommunikation sich nicht schon schwierig genug gestaltet hätte. Ich hab ihr erklärt, dass ich mit meiner Visa-Karte Geld abheben möchte, dass der Automat draußen nicht funktioniert und dass in in GHC einen Betrag abheben möchte, der äquivalent zu 1000€ ist. Weiß nicht, was daran so schwer zu verstehen war. Sie meinte, das ginge nicht...wieso, hab ich aber erst später herausgefunden. Sowieso hat mich ihr Desinteresse so was von aufgeregt, dass sogar meine Ader an der Stirn hervorgetreten ist. Spürbar. Das hat noch keiner vorher geschafft. Respekt! Also hab ich mich wieder in die Schlange vom Anfang gestellt. Der Dame am Schalter hab ich dann erklärt, dass die andere Dame da am Tisch mich net versteht und ich Hilfe brauche. Dann ist die Dame vom Schalter mit mir zum Tische gegangen, hat der Dame am Tisch erklärt, was ich will...die hat mir erklärt, dass wir den Betrag, den ich in Euro möchte, erst in Dollar umrechnen müssen, weil das die Währung ist, nach der sie umrechnen. Aha. Aber ich könnte eh nur höchstens GHC 1500 pro Tag abheben (ca. 900€)...na jut, net so schlimm. Ich ihr also Pass und Karte gegeben. So, die ging dann in ein stille Kämmerlein, kam zurück und meinte auf meiner KREDITkarte wäre kein Geld. Ich weiß, dass ich einen Kreditrahmen von täglich mindestens 1000€ habe, dass hab ich so eingerichtet. Also, ich Papa angerufen. Den armen hab ich dann erstmal am Telefon zusammengestaucht – obwohl er eigentlich nix dafür konnte. Mit tat das danach dann auch ganz furchtbar Leid. Er hat dann auf mein Konto geguckt und meinte, 500€ müsste ich noch abheben können. Ich also wieder rein, 500€ bestellt bzw. $ bzw. GHC. Ging och nicht. Papa wieder vollgequäkt, der hat dann Geld umgeschichtet und meinte, das Geld müsste bis morgen auf meinem Konto sein. Also eine Nacht in Tamale verbringen. Hab nix gegen Spontanität, hätt ich nicht dummerweise mein Malaria Mittel in Bamboi liegen lassen – konnt ja net ahnen, dass das so schief geht. Na ja, mal sehen, was daraus wird.
Ich habe in einer Lodge übernachtet, etwas außerhalb von dem Stadtlärm. Aurelio war bei einem Freund. War ganz nett in der Lodge – bis ich geduscht habe. Das Duschen sah so aus: der Duschkopf war zur Hälfte verkalkt, was dazu führte, dass das Wasser aus nachgezählten 9 Löchern kam. Nicht aber im Schwall, sondern eher intervallartig und in 9 verschiedene Richtungen. Hätt' ich in die Luft gespuckt und wär' drunter durch gelaufen, hätte das den selben Effekt gehabt. Dementsprechend lange hat das auch gedauert. Zumindest wusste ich nach der Dusche, wozu die beiden Eimer da rumstanden. Ein kleiner und ein großer – wohl sollte man im großen über Nacht das Wasser einfangen und mit dem kleinen dann morgens das Wasser über den Körper schöpfen...oder so. Ich habe quasi im Luxus geschwelgt und hatte einen Fernseher in meinem Zimmer mit sage und schreibe drei Programmen verteilt auf neun Knöpfen – die Zahl ist magisch. Ein Wrestling-Programm, weil ich so ein großer Freund davon bin, hat mich das besonders gefreut---uuhaaahaaa---, ein Programm, dass hieß Love World – net, was ihr jetzt denkt! - das war ein Bibelkanal auf dem sie über Gott getalked haben und Werbung für ein Healing-Seminar gemacht haben. Priest Chris kann nämlich durch Handauflegen Lahme zum sehen, Blinde zum gehen und Taube zum laufen bringen – oder so ähnlich ;-). Na ja, solang die net erzählen, dass sie AIDS heilen können, wie es andere obskure Kirchen hier in Afrika propagandieren, solls mir egal sein. Die hatten eine Frau da, die neulich erst geheilt worden ist und sich jetzt wieder zur linken Seite legen kann...Auf dem dritten Programm kamen Nachrichten aus Südafrika.
Ich habe also den Abend meines Geburtstages mit den Resten meines Club-Sandwiches vom Abendbrot, einer Dose Cola gegen die Bauschmerzen und Südafrikanischen Nachrichten verbracht. Etwas gestunken hab ich auch, weil das mit dem Duschen ja net so geklappt hatte. Aber bitte, kein Mitleid: Ich wollte es so. Ich feire mein 26stes Lebensjahr nach – mit Freunden, so, wie sich das gehört. Wenigstens hing ich nicht in der Australischen Wüste ab, wie Philli damals bei seinem Geburtstag.
Am nächsten Tag lief alles gut ab. Die Dame vom Tisch in der Bank hat mich noch verarscht, weil sie nach dem Anruf zur Autorisierung meinte, es wäre immer noch kein Geld auf dem Konto. Da stand ich kurz vorm Nervenzusammenbruch. Die blöde Kuh hat dann gelacht, meinte, sie wollte schon immer mal ne Weiße weinen sehen – ich hab net geheult, muss ich dazu sagen! - und hat mir die 1500 GHC ausgezahlt. Wir haben dann die 4 GPRS fähigen USB-Sticks abgeholt und sind Heme gefahren. Ja, und nun sitz ich hier, einen Tag später, und freu mich über mein Internet! Endlich ist Genni wieder connected to the world!

Mittwoch, 18. Februar 2009

Kurzes Update

Ich bin gerade aus Tamale zurück, wo ich war, um mir für das Internet Cafe Internet zu besorgen. Also, ich kann jetzt regelmäßiger schreiben. GPRS - also übers Handynetz - ist es geworden, nach langem Hin-und-Her in Tamale und einer dort ungewollt verbrachten Nacht. War anstrengend, aber ihr habt ja jetzt erstmal genug zum lesen. Geht auf die nächste Seite, da gehts los...war fleißig vor und während der Malaria ;). Mit den Bildern muss ich mal sehen, wie klein ich die bekomme, dass sie trotzdem noch gute Qualität haben aber der Upload net zu lange dauert. Was sagste, Chrischi? :)
Vielen Dank auch an alle, die mit zu meinem gestrigen Ehrentag gratuliert haben - ob per sms, oder mail! Ich habe gestern nicht gefeiert. Keiner weiß hier, dass ich Geburtstag hatte, ich wollte kein Brimborium. Außerdem musste ich nach Tamale und unter Umständen wäre dann der Trip abgesagt worden und das wollte ich nicht. Von meinen Erlebnissen in Tamale schreib ich euch dann die Tage.

16.02.2009: Mu...Mi...Ma...Malaria

Malaria, oder liebevoll hier „Afrikanische Taufe“ genannt, hat mich volle Breitseite erwischt – trotze Moskitonetz, trotze Imprägnierung meiner Klamotten, trotze DEET-Lösung zum einreiben, trotz Prophylaxe. Aus der Retrospektive, soweit man sich an Ereignisse im Alter von 1,5 Jahren erinnern kann, fand ich meine Deutsche Taufe um einiges angenehmer. Mein Opa, der Vater meiner Mutter, kam damals extra aus Äthiopien, wo er damals Bischof war, nach Deutschland um mich zu taufen. Das war im Sommer 1984. Ich muss damals einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit gehabt haben, denn als er mir das Wasser über den Kopf träufelte, hab ich ihn kurzerhand auch nass gespritzt – es gibt Beweisfotos. Ob die das hier wohl Afrikanisch Taufe nennen, weil man dabei im eigenen Schweiß ertrinkt? Nachdem das Fieber bis Donnerstag nicht besser wurde, sondern eher schlechter, hab ich mich dann tatsächlich mal zum Arzt begeben, weil mir die Sache nicht ganz geheuer war. Bei 33C Zimmertemperatur sollte man keine Gänsehaut vor Kälte bekommen...Ich habe eigentlich auch nur so lange gewartet, weil mir Aurelio und Hege die ganze Zeit versicherten, dass es keine Malaria sei, sondern einfach nur Überanstrengung. Für Malaria sei es zu früh, ich wäre noch nicht lang genug hier. Ich hatte ja auch die ganze Zeit nur erhöhte Temperatur, um die 38,3. Ich hätte es eigentlich besser wissen müssen, schließlich weiß ich, wie mein Körper bei Überanstrengung reagiert. Shit happens. Beim Arzt hab ich rausgefunden, dass ich abgenommen habe ;). War ganz lustig, beim Dr. John. Er hat mir ein paar Pillen gegen die Brustschmerzen und gegen Malaria gegeben. Dr. John meinte, dass Malaria ein Opportunist sei – wenn der Körper schwach bzw. gestresst ist, greift sie an. Und nein, solche Symptome hat man natürlich nicht von ein bisschen Erdnussbutter machen und Wäschewaschen.

Hege und Ich beim Erdnussbutter machen.


Aurelio und Hege, die mitgekommen waren, fandens lustig...ich komischerweise auch. Irgendwie nehme ich allgemein alles viel leichter, seit ich hier bin. Mich hats noch net mal aufgeregt, dass Aurelio erst die Pflanzen in seinem Garten gegossen hat und sich dann umgezogen hat, bevor er mich dann mit knapp 39,6C Fieber zum Arzt gefahren hat. Nicht einmal als er mich gefragt hat, ob ich wirklich heute in die Klinik muss, oder ob morgen auch reicht... Wie schon gesagt: Die Entdeckung der Langsamkeit...oder vielleicht auch Fieber-Delirium ;).
Allerdings gab es, nachdem wir dann Dr. John verlassen haben, ne tüchtige Standpauke, dass er gefälligst nix mehr sagen soll, wenn er keine Ahnung hat. Das auch bei uns Deutschen Vertrauen eine wichtige Rolle in Beziehungen spielt und dass jetzt mein Vertrauen in ihn einen Knax bekommen hat. Ich bin davon ausgegangen, dass er als Local Ahnung von den Krankheiten hier hat...was er mir auch ständig versichert hat. Er hat auch mal beim Essen gepredigt, dass so genannte Spezialisten, die noch nie in Afrika waren, sich anmaßen, Ahnung von dem Land und den Leuten hier zu haben...haben sie seiner Meinung nach überhaupt nicht. Tja...anscheinend liegen auch die, die Afrika ihre Heimat nenne, nicht immer richtig... Ich als Fremde habe zumindest keinen Schimmer, wie so ne Malaria verläuft. Hab mir auch nur Infos angelesen und mit den Ärzten im Tropen Institut gesprochen. Beim nächsten mal bin ich schlauer: Fieber ohne bekannt Ursache = Malaria – genauso, wie es in den Broschüren der Ghana-Spezies steht!
Donnerstag Nacht war furchtbar. Ich hatte über 40C Fieber und hab halluziniert. Erst war ne Maus in meinem Bett, daraufhin hätte ich beinah meine Wasserflasche erschlagen, dann saß eine Miniaturausgabe einer meiner Professoren auf der Tischkante meines Schreibtisches und hat mir einen Vortrag über Gleichheit gehalten und dann hatte ich lauter Mini-Helfer um mich herum, die sich jeweils um eines meiner Gliedmaßen und meinen Kopf gekümmert haben, mich allerdings solange nicht schlafen ließen, bis ich ihnen gesagt hatte, dass sie gehen sollen. Das mag jetzt alles lustig klingen, im Nachhinein ist es das vielleicht auch, aber als ich da so da lag und ich die Temperatur nicht mal mit Wadenwickeln runter bekommen habe, wurde mir doch etwas anders. Genni stirbt jetzt also in Afrika an einer simplen Malaria, ohne Mutti, ohne Vati, ganz alleine...Ich hab dann irgendwann eine Paracetamol geschluckt, worauf ich einen Schweißausbruch hatte, den ich nicht beschreiben kann. Dafür gings mir danach besser und ich konnte endlich gegen drei einschlafen. Mit meinem Blut kann man wahrscheinlich Tote erwecken, soviel Chemie, wie da jetzt drin ist: 6 Malaria-Pillen, 6 Schmerztabletten und 2 gegen den Husten pro Tag. Wenn ich jetzt über die ganzen Impfungen im Vorhinein und die Malaria Prophylaxe nachdenke...ich muss wohl, wenn ich wieder zurück bin, meinen Körper entgiften.
So, ich bin jetzt also afrikanisch getauft, wirklich in Afrika angekommen und kann jetzt behaupten, tatsächlich da gewesen zu sein – herzlichen Glückwunsch!
In der Nacht von Samstag ging es mir wieder richtig beschissen. Um 5h morgens hab ich dann Pater Aurelio angerufen, der im Zimmer neben mit schläft, damit er rüber kommt, um mich zum Dr. zu bringen. Ich hatte wieder hohes Fieber, Schüttelfrost und Beschwerden beim Atmen. Dr. John hat mir starke Schmerzmittel gegeben und ein Mittel gegen Fieber. Wenigstens konnte ich danach einschlafen. Am nächsten Morgen habe ich meine Mutter angerufen, die natürlich meinte, ich solle sofort nach Hause kommen.
Am Montag bin ich dann in Krankenhaus nach Wenchi. Der Arzt war ein netter Cubaner, der meinte, das alle, die hierher kommen, Malaria hätten...oder Typhus. Er hat mich zum Bluttest geschickt, der angezeigt hat, dass ich tatsächlich Malaria hab. (Lizzbeth, keine Sorge, es ist net ansteckend). Nun ja, drei Tage lang lustige Pillchen schlucken – kann bald ne Apotheke aufmachen. Er hat mir versichert, in 15 Tagen säße ich wieder hier...man kann halt nur prophylaktisch dagegen vorgehen, so gut es eben geht. Wenn das Blut zu gut schmeckt...na ja, denn muss man halt ständig zum Arzt...

Mittwoch, 11.02.2009: Zu zweit ist man weniger allein



Ich habe einen Untermieter. Er ist klein, glitschig, hat große Augen und eine für mich undefinierbare Farbe – irgendwas zwischen matschbraun und mausgrau. Ich würde euch ja gerne ein Foto reinstellen, aber der Herr (oder die Dame) ist schüchtern und verkriecht sich immer hinter den Schrank, sobald ich abends das Zimmer betrete. Ich frage mich, wie er wohl zu meinem Untermieter geworden ist – ich habe ihn nicht eingeladen, bei mir zu wohnen. Na ja, zu zweit ist man weniger allein...aber auf Dauer wird das nicht gut gehen mit dem Frosch und mir, schließlich steht hier nur ein Bett :).




















Ich habe immer noch etwas erhöhte Temperatur. Vielleicht sollte ich morgen mal zum Arzt gehen. Heute hab ich übrigens den ersten Teil des Jahresberichts von Pagaa bekommen. Sobald ich dann auch mal Zahlen bekomme, kann ich dann endlich anfangen, zu arbeiten. Bevor ich hier nämlich irgendetwas in die Wege leite, will ich zunächst sehen, wo das ganze Geld hinfließt. Hoffentlich weiß ich am Wochenende mehr – hab ihm eine Deadline bis Freitag gesetzt und fahr seit dem jeden zweiten Tag hin, um etwas Druck zu machen, sonst wird das hier nüscht. So, und dann geht’s nach Damongo – da sitzt der Bischof und der Generalvikar. Mit denen muss ich mich dann wohl mal unterhalten, weil ich befürchte, dass der diesjährige Jahresbericht genauso bescheiden sein wird – vom Infogehalt her – wie der letzten Jahres. Also: keine realisierten Kosten sondern nur irgendwelche Schätzungen...kann ja kaum glauben, dass die jeden Monat die selbe Menge an Benzin fürs Auto verbrauchen, und Belege wären vielleicht auch mal ganz nett...Und wenn das dann getan ist, werde ich mich mal mit den Lehrern und Schülern unterhalten, je nach Gruppe über Zufriedenheit, Ziele im Leben etc. Ich hab schon einige Infos eingeholt – z.B. das die Schulbildung von Mädchen als immer wichtiger angesehen wird, wie man hier an Jobs kommt und wo die schon graduierten Schüler von St. Anthony stecken. Langsam nähert sich das Kaninchen. Ich versuche mich soviel wie möglich mit den Dorfbewohnern zu unterhalten und aktiv am Leben hier teilzunehmen, um Vertrauen zu schaffen und Beziehungen aufzubauen – das ist enorm wichtig.

Dienstag, 10.02.2009: Sonntag ist Kirchentag...

Das nennt man wohl Corporate Identity wahren...ich war im Gottesdienst. Im katholischen Gottesdienst in Ghana. Janina hätte das gefallen, weil es viele Trommeln und Rasseln und Gesinge gab. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie sie abgegangen ist, als wir in Brasilien mal zufällig auf eine Samba-Gruppe getroffen sind. Ich fands auch super, bis auf die Länge. Zwei Stunden musste ich auf echt unbequemen Kirchenbänken verharren und alles nur, weil der Gottesdienst auf vier Sprachen gehalten wurde, neben Englisch auf Ga, Mo und Cwi. Zu allem Überfluss musste ich dann auch noch vor die Gemeinde treten, um mich vorzustellen. Pater Aurelio hätte mir vorher ruhig mal nen Wink mit dem Zaunpfahl geben können, dann hätt ich mich wenigstens etwas vorbereitet. Na ja, Ghana ist immer für eine Überraschung gut.
Abends sind wir nach New Longoro gefahren, die Nachbargemeinde, weil wir von Pater Ottmar, einem Schluchtenscheisser, wie Mutti-Zwetschga wohl sagen würde (also, ein Österreicher), zum Abend-chop (Essen heißt hier chop) eingeladen wurden. Pater Ottmar ist etwas eigen, milde ausgedrückt. Er ist Ende letztes Jahres 60 geworden und lebt schon seit 33 Jahren in Ghana – und will auch hier sterben, weil die Beerdigungen hier schöner sind. Er lacht äußerst komisch und ist auch sonst irgendwie schräg drauf...z.B. wollte er mir erklären, dass Alkohol und Antibiotika sich super vertragen (Doxycyclin, das Zeug, was ich gegen Malaria nehme, ist eigentlich ein Antibiotikum). Worauf ich meinte, dass sich sein Körper vielleicht schon daran gewöhnt haben mag, aber meiner reagiert auf diese Mischung äußerst allergisch. In New Longoro ist momentan auch ein Volontär – Mario aus Österreich. Und zwei weitere Pater aus Papua Neuguinea – Martin und Francis – und ein Bruder aus Indonesien – Apollon. Allesamt gehören den Steiler Missionaren an – fragt mich nicht, was das jetzt über sie aussagt. Katholisch sind sie zumindest. Super Einstiegsthema hatten wir: Krankheiten. Alle waren geschlossen der Meinung, dass ich während meiner Zeit hier mindestens einmal Malaria bekommen werde – trotz Prophylaxe – und Typhus wäre auch äußerst wahrscheinlich – Impfung bietet schließlich nur 60%igen Schutz. Ganz nebenbei erzählten sie mir auch, dass schon zwei Volontäre hier in New Longoro an Thyphus gestorben sind. Mario ist schon seit 5 Monaten hier und hatte schon drei mal Malaria und ein mal Thyphus. Außerdem ist gerade die Cholera in Accra. Evtl. kommt die bis hierher in den Norden, aber in New Longoro sind wirksame Medikamente vorhanden, ich solle mir keine Sorgen machen...Mama, Papa, falls ich das hier nicht überleben werde: Ich liebe euch! Testament hab ich allerdings noch nicht gemacht...aber ich hab Papa für alle Fälle vor Abreise eine Vollmacht geschrieben ;).
So, und seit Montag Abend hab ich nun Atemprobleme. Fühlt sich wie Muskelkater an, um den Brustkorb rum, was mir Schmerzen beim Atmen macht. Etwas erhöhte Temperatur habe ich auch. Es könnte daran liegen, dass ich Montag Vormittag damit beschäftigt war, Erdnussbutter zu machen, was echt Knochenarbeit ist. Vielleicht hab ich mich da komisch verdreht und deshalb seitdem Schmerzen. Vielleicht ist es auch einfach die Umstellung: neues Klima, anderes Essen, die Aufregung...da reagiert mein Körper etwas über. Oder, und diese Variante finde ich mit Abstand beängstigender, ich habe ein Insekt verschluckt, dass sich durch meine Atemwege bis zu meinen Lungen vorgearbeitet hat, dort Eier gelegt hat und nun essen mich die Larven von Innen auf. Gut, ich muss zugeben, ich habe zu oft zu Hause auf dem Sofa gelegen und diese Sendungen, die die Welt nicht braucht (oder wie Papa sie nennt: Kaugummi fürs Hirn) geguckt. Auf Vox oder auf RTL2, so gegen 22h kommen die und ich gucke mir die nur an, weil ich schlicht zu faul bin, mich aus der Gartenzwergstellung zu erheben um mich ins Bett zu bequemen. Ja, die zeigen dann, was so Afrika-Urlauber alles an Blindenpassagieren mitgebracht haben: meterlange Würmer, die Ärzte aus irgendwelchen Beinen ziehen, Quasteln am Fuß, die voll sind mit Maden, oder, my favourite: ewig lange Bandwürmer! So, und jetzt weiß ich auch, wieso Papa immer ausflippt, wenn ich mir das angucke...da haben wir den Salat! Meine Fantasie geht mit mir durch. Na ja, bislang huste ich noch keine Fleischstückchen – es besteht also noch Hoffnung :). Ja, was das betrifft, habe ich eine Klatsche – nicht therapierbar. Vox und Co. haben mich verdorben. Ich fliehe auch immer wild mit den Armen wedelnd vor jedem Käfer, jeder Fliege oder jedem Wurm und betrachte mir jeden Abend bevor ich einschlafe meine Füße ganz genau...Aber sonst ist es hier echt super und ich fühle mich pudelwohl! Ich möchte jetzt hier auch nicht den Eindruck erweckt haben, dass die Vorurteile über Afrika stimmen. Es stimmt wohl, dass es hier Krankheiten gibt, die wir nicht haben und wenn doch, dann haben wir sie besser im Griff, Ungeziefer, dem man lieber nicht im Dunkeln begegnet und Armut sieht man hier auch an jeder Ecke. Aber Afrika sollte nicht immer nur als Bittsteller gesehen werden, sondern als Kooperationspartner. Afrika bietet viel Entwicklungspotential und die Menschen wollen auch wirklich was ändern, allerdings wurde ihnen die Chance bislang oft verwehrt. Mittlerweile heißt es ja Gott sei Dank auch nicht mehr „Entwicklungshilfe“, sondern „EntwicklungsZUSAMMENarbeit“ – ein erster Schritt, dass es sich nicht um einen aktiven und einen passiven Part handelt, sondern das beide aktiv sind, zusammen.

Freitag, 06.02.2009: Einmal Kintampo und zurück

Heute ist Freitag, seit fast einer Woche läuft mein Ghana-Projekt jetzt schon. Ein Grund, wieso ich beschlossen habe, mich mal um eine Internet-Connection zu kümmern…wie ihr seht, da ich auch diesen Eintrag nachträglich ins Internet stelle, nur mit mäßigem Erfolg . Der Tag beginnt hier wie jeder andere bislang auch: um halb sechs werde ich von einem dieser vermaledeiten Hähne geweckt, die alle samt eine Stimmbandoperation nötig haben, da sie klingen, als würde jemand in einen Blecheimer reinröhren. Echt besorgniserregend. So gegen sieben (wir sind eine Stunde hinter euch) krabbel ich dann hinter meinem Moskitonetz hervor und gehe den Tag gaaaanz langsam an. Gegen acht ist dann Hege mit dem Frühstück fertig und Father (so nennen den Pater Aurelio hier alle) ist dann auch schon von einem seiner Messen aus einem der Villages zurück. Hege ist hier Köchin und Hausmädchen in einem, sie ist 22 Jahre alt und war mal eine von Fathers Schülerinnen in der Primary School. Während des Frühstücks erzähle ich Aurelio, was ich so alles am Tag vorhabe und er überlegt dann, wobei er mich begleiten kann und gibt mir Auskunft über seinen Tagesplan. Nach dem Frühstück setze ich mich meistens auf einen der kleinen Holzhocker neben die Küchentür und gucke den Hühnern beim picken zu, während Hege in der Küche rumfeudelt und mir dabei allerhand Geschichten aus dem Dorf erzählt. Wir verstehen uns ausgezeichnet und sie scheint ganz froh zu sein, dass sie jemanden zum unterhalten hat. Gegen neun setze ich mich dann an den Schreibtisch, guck meine Dokumentation durch, tippe Gesprächsprotokolle, beschäftige mich mit dem Projektplan, werkel an meiner Ausgabenliste rum, schreibe soweit es geht am Bericht und überlege die nächsten Schritt und kalkuliere so ein bisschen rum, außerdem verfasse ich seitenlange Mails im voraus oder schreibe an meinen Blogeinträgen. Na ja, eigentlich mache ich das alles nicht ab neun, sondern es verteilt sich über den ganzen Tag. Meist geht’s gegen 10 auch immer schon irgendwo hin. Heute ging es z.B. mit Hege ins Dörfli zum Mittagessen einkaufen. Ich habe wie immer für Aufsehen gesorgt, woran ich mich, muss ich zugeben, relativ schnell gewöhnt habe und mittlerweile ignoriere. Wir haben Fisch eingekauft und Kenkey – gesäuerte Maisbällchen in Bananenblättern. Nach dem Essen, so gegen halb zwölf, hab ich mich ein Stündchen zurückgezogen um dann gegen eins mit Hege nach Kintampo zu fahren um endlich mal eine Mail an den Ghana-Arbeitskreis zu verschicken, in dem ich den Mitgliedern schildern wollte, was bislang alles passiert ist und vor allen Dingen, was Mr. Pagaa mir berichtet hat. Nachdem wir nach einer halben Stunde Fahrt in einem sehr, sehr kleinen, verrosteten, mit mehreren Sprüngen in der Windschutzscheibe ausgestatteten Daewoo-Taxi in Kintampo angekommen sind, mussten wir uns erst mal nach dem Internet-Cafe durchfragen. Kintampo ist eine Kleinstadt, eigentlich sollten die Leute wissen, wo sich hier was befindet. Als wir eine Gruppe von drei Jugendlichen angesprochen haben, haben alle drei in drei verschiedene Richtungen gezeigt – hab mich ein bisschen wie bei Loriot gefühlt. Nach ein wenig rumirren haben wir schließlich den Ort der Begierde gefunden. Fünf Rechner gab es, von denen zwei aus waren und die restlichen drei besetzt oder keine Internetverbindung hatten. Internet gab es da nur übers Modem - also gaaaaaanz laaaangsam…bis es dann eben ganz aus ging und auch nicht wieder an. Ich hatte nicht mal die Chance, eine meiner Mails zu lesen, geschweige denn, eine zu verfassen. Die Frau, die für das Ding verantwortlich war, hat uns nach Girma (so hat es sich angehört, Ortsschild gabs nicht…) geschickt, da sei noch ein Cafe. Also wieder Taxi suchen, wieder ein Daewoo, und los ging‘s. Eine der Frauen (ach ja, wenn man hier Taxi fährt, dann nie alleine, die warten immer, bis es voll ist) wollte zufällig auch ins Internet-Cafe. So, dieses Internet-Cafe war noch kleiner und nur ein Rechner hatte Internetverbindung. Der Betreiber meinte, die hätten seit einer Woche Probleme mit dem Internet und man müsste das jetzt über eine Prepaid-Karte fürs Handy machen. Nachdem erst die Internetverbindung fünfmal deconnected wurde und dann auch noch der Strom ausfiel habe ich es zumindest geschafft, die schon vorgefertigte Mail nach MD zu schicken. Dafür hab ich jetzt einen Virus auf meinem Stick…
Das erste Mal an diesem Tag wurde ich von dem Betreiber an diesem Tag beschissen, der doch tatsächlich 5 Cedi für den Spaß wollte. Normal wären vielleicht 80 Pesewas – 1 Cedi für eine Stunde. Ich war ne halbe da und davon vielleicht 15 Minuten mit dem Internet verbunden. Auf Diskussion hatte ich keine Lust, dafür war ich zu müde und zu enttäuscht, aber ich hab ihm gesagt, dass es mit dem Preis ne gute Kundin und damit gutes Geld verloren hat…Aus dem Weg von Girma nach Kintampo hat es zu allem Überfluss angefangen, zu regnen. Wie zwei begossene Pudel haben wir also ein Anschlußtaxi nach Bamboi gesucht. Das zweite Mal an diesem Tag wurde ich dann von dem Taxifahrer beschissen, der mit gebeten hat, dass doch bitte noch einer neben mir auf dem Beifahrersitz sitzen darf, weil noch zwei Personen mit möchten, die dann allerdings schon im nächsten Dorf aussteigen. Zu diesem Zeitpunkt waren wir schon drei Passagiere und ein Baby. Ich habe, nachdem er meinte, die armen Schweine würden sonst nicht nach Hause kommen, eingewilligt. Ich Esel! Also, eingestiegen sind drei Männer. Hinten saßen demzufolge 4 Personen und ein Baby und vorne mit Fahrer drei – wieder ein Daewoo. Es gab bei „Wetten, dass…!?“ mal eine Saalwette, bei der gewettet wurde, wie viele Menschen in einen VW Käfer, oder so, passen…so ungefähr könnt ihr euch das vorstellen. In dem nächsten Dorf wurden dann auch nicht zwei raus gelassen, sondern nur einer, was bedeutete, dass ich und Hege vorne zusammengequetscht eine halbe Stunde quasi auf dem Fahrer drauf saßen. Ich saß mehr oder weniger auf dem Schaltknüppel…während wir die Buckelpiste von Kintampo nach Bamboi zurückgefahren sind – bei einem sintflutartigen Regen. Der Fahrer hatte immer wieder mit nem verdammt frechen Grinsen gefragt, ob alles alright wäre…Worauf ich dann irgendwann meinte: Do you think this is fun? U know what would be really funny? If I gonne leave u without paying for that torture... Darauf hat er dann wenigstens nicht mehr gefragt, wie es mir geht. Nachdem wir dann endlich diese Quetschkommode verlassen durften, haben wir noch einen kurzen Abstecher zu Hege gemacht, die sich umziehen wollte. Sie lebt mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder in einem dieser traditionellen Lehmhütten. Hege hat mich allerdings draußen vor der Tür geparkt. Auf dem Weg zurück zur Mission hab ich dann ohne etwas dafür zu können ein Kind zum Weinen gebracht. Schlichtweg meine Anwesenheit hat ihm soviel Angst gemacht, dass es nur da stand und furchtbar angefangen hat zu schreien und zu heulen. So schlimm bin ich doch nun auch wieder nicht… und alles nur, weil ich ein bisschen heller bin.
Damit war der Tag auch schon vorbei. Abends essen, kurze Dokumentation und Absprache mit Aurelio und dann zeitnah ins Bett. Afrika macht müde.

Donnerstag, 05.02.2009: Der lange Weg nach Bamboi

Am Dienstag haben Aurelio und ich uns auf den Weg nach Bamboi gemacht -zwei Stunden später als geplant... Aus Accra raus zukommen war eine Qual. Ich hätte mir statt der zwei Pullover vielleicht lieber einen Satz Ersatz-Bandscheiben mitnehmen sollen. Die Straße ging ja mal so was von gar nicht. War gerade under construction...pfft. Nach ca. einer Stunden Buckelpiste gings dann auf eine sehr gut befestigte Straße Richtung Norden. Aurelio fährt, mit Verlaub, wie eine besengte Sau. Nicht nur einmal hab ich ein Stoßgebet nach oben geschickt. Noch dazu hatte unser Auto ein Problem mit dem Motor...wenn wir irgendwo langsam herangefahren sind, was oft passiert ist, ist es ab und zu einfach ausgegangen. Was dazu führte, dass wir kurz vor Kumasi in eine Werkstatt, also einer Ansammlung an alten, verrosteten Autos, Öltonnen und öligen jungen Männern zwischen 16 und 25 Jahren, einkehren mussten. Fürs erste wurde das Auto auch repariert, es sollte sich zeigen, dass die Freude nicht lange anhielt...Kumasi ist schöner als Accra, wohl, weil hier das Hauptabbaugebiet für Gold in Ghana ist. Außerdem kam der letzte Präsident Ghanas aus Kumasi, was natürlich dazu führte, dass Kumasi viel Aufmerksamkeit während seiner Legislaturperiode zuteil wurde. So ist das in Afrika, man hilft seinem Clan. Der seit Januar neu gewählte Präsident Atta-Mills kommt aus Cape Coast...was da wohl in den nächsten Jahren passieren wird...
In Techiman haben wir eine kleine Pause gemacht um etwas zu essen. Bis dahin war die Straße super, danach kam bis Wenchi wieder Buckelpiste. Insgesamt haben wir 9 Stunden benötigt, was relativ wenig ist, wenn man die Stopps bedenkt. Die letzten beiden Stunden sind wir bei stock-dunkler Nacht gefahren, da hab ich mir gewünscht, doch schnell einzuschlafen, damit ich nicht jedes mal vor Schreck zusammenzucke, wenn irgendetwas vor uns auftaucht – sei es Mensch, Ziege oder Federvieh. Aurelio hält, zumindest bei den Tieren, auch immer drauf, was ich meinerseits mit lautem Aufschreien oder besser: Quietschen quittiere. Er findets lustig, ich weniger. Ich hatte auf dem Weg auch mein erstes Markt-Erlebnis. Aurelio hatte die glorreiche Idee doch ein paar Früchte zu kaufen. Wir hielten also auf einem kleinen Markt am Straßenrand an und unser Auto war sofort umringt von den Marktfrauen, die ein Geschäft witterten. Aurelio hatte den Mut auszusteigen, ich hielt es für besser, im Wagen sitzen zu bleiben, was die Frauen nicht davon abhielt, mir ihre Köstlichkeiten anzupreisen. Die sind echt geschickt. Erst versuchen sies mit Mitleid, als das nix half, haben sie versucht, was persönliches über mich rauszufinden, das war allerdings auch net von Erfolg gekrönt. Dann ging das Diskutieren los:
Ich: Why dont u following the Father...he has the money, he decides
Sie: But there is already someone with him trying to sell him oranges
Ich: So, why dont u go and try to sell yours to him
Sie: Because there is already someone...please tell him to buy oranges from me
Ich: Go and show him yours...i am sure, if they are good he will buy some.
Sie: But there is already someone following him...and I will better stay with u
Ich: And why with me? Because u think i am easier to crack?
Sie: Stille, verschämtes Grinsen...
So, die dachte also, ich bin ein dummer Touri und werde schon was kaufen, wenn sie es lange genug versucht. Dann haben sie das Kreuz am Innenspiegel baumeln sehen und fingen dann so an: If u buy something from me, God will bless u. Kann ich ja gar net haben, sowas, also: Dont bring God into that game, he does not do the shopping...damit war die Sache für mich erledigt. Ich hab ihnen erklärt, dass ich kein Geld habe und wenn sie was verkaufen wollen, müssen sie zu Aurelio, der trifft die Entscheidungen. Hat sie nicht überzeugt, war mir aber auch egal. Anstrengend!

Solche Stände stehen überall am Straßenrand. Hier verkaufen sie Kochbananen.


Die Mission liegt, wie jede Mission hier in Ghana, etwas außerhalb des Dorfes. Sie ist vom Kindergarten, Primary- und Junior-High- School umringt und auch die Kirche liegt direkt auf dem Gelände. Immer, wenn ich am Kindergarten vorbeigehen, werde ich von den Kindern fröhlich mit „Brunini!“ begrüßt, was nix mit der neuen trällernden Frau vom französischen Präsidenten zu tun hat, sondern auf Cwi so viel heißt wie „Weiße“. Ich lasse mich nicht lumpen, hab mich erkundigt, was schwarz heißt und antworte jetzt immer „Bibini“, worauf sich die Kinder immer kugeln vor lachen.
Hier macht Hege gerade mein Zimmer bereit zum Einzug.

Am Mittwoch sind wir vormittags zur Schule gegangen, damit ich mir einen ersten Eindruck verschaffen kann. Der Direktor, Mr. Pagaa, war nicht da, was nix gemacht hat. Den lerne ich noch früh genug kennen. Ich muss sagen, von der Schule war ich positiv überrascht. Ich habs mir schlimmer vorgestellt. Die haben zwar ein kleines Termiten-Problem und hier und da muss was repariert werden – na, es ist der erste Eindruck. Wer weiß, was da noch alles kommt....Am Nachmittag sind wir dann Richtung Norden nach Swala gefahren um Bücher abzuliefern für Father David. Auf dem Weg liegt Bole, ein Dorf in dem die Gemeinde in Duisburg-Hamborn eine Schule unterstützt, die vergleichbar mit unserer ist – nur mehr technisch ausgelegt. Die habe ich mir kurz angeschaut. Eventuell kann man Synergie-Effekte erzielen. Auf unserer kleinen Journey hab ich einen ersten Eindruck vom African Way of Life bekommen. Wir haben in jedes Gemeinde angehalten, in der ein Priester ansässig ist, um Hallo zu sagen und rumzusitzen. Was mir an und für sich egal gewesen wäre, wenn ich nicht davon ausgegangen wäre, dass wir gegen sechs wieder zu Hause sind. Wir waren kurz vor Mitternacht zu Hause, dafür kenne ich jetzt jeden Priester nördlich von Bamboi. Für den Anfang war mir das ein wenig viel Afrika – mir wäre es lieber gewesen, hätte ich das in kleineren Portionen und nicht gleich am ersten Tag bekommen. Na ja, so wurde ich gleich ins kalte Wasser geworfen – kann ja auch net schaden. In Afrika geht nun mal sehr viel über Beziehungen. Die rennen nicht der Zeit hinterher, wie wir das tun, sondern meinen, dass sie davon genug haben...die ganze Zukunft ist vollgestopft mit Zeit. Ich muss sagen, dass ich mich schneller daran gewöhnt habe, als ich dachte. Auf die Uhr gucke ich kaum noch...hilft ja eh nix, Father Aurelio hat schließlich auch keine und mit dem muss ich mich ja immer abstimmen. Verabreden tu ich mich jetzt nur noch so: Ich komm dann irgendwann abends – was zwischen 15h und 22h liegt. Hier gibt es keine Zeitpunkte – die Zeit fließt hier.
Am Donnerstag hab ich dann endlich Mr. Pagaa kennen gelernt. Wir haben morgens einen Rundgang durch die Schule gemacht, er hat mich allen vorgestellt und alle haben mir gesagt, wie willkommen ich wäre – die kenne mich halt noch nicht ;). Vorher fand das obligatorische Kennenlernen statt. Man sitz rum und muss Fragen beantworten – anfangs eher unpersönliche über die Reise nach Ghana...dann geht’s weiter mit meinem Befinden und wie ich Ghana so finde. Irgendwann, wohl erst später, werde ich Fotos zeigen und gezeigt bekommen...von Familie etc. Ich hab mein kleines Album vorsichtshalber mitgenommen, schließlich muss ich denen was von mir preisgeben, wenn ich etwas von ihnen will. Und wenn es eben nur Informationen bzw. Antworten auf meine Fragen für die Evaluation sind. Danach hat er mir von den Problemen erzählt, die die Schule hat. Dinge, die Repariert werden müssen und andere, die gebaut werden müssen, wie z.B. zusätzliche Unterkünfte für Schüler und Lehrer, Klassenräume und Toiletten. Er ist froh darüber, dass nach den vielen Versprechungen endlich jemand aus Deutschland kommt, um sich der Probleme hier mal anzunehmen und guckt, was hier so geht. Mal gucken, was ich so auf die Beine stelle. Es ist viel, aber nicht unmöglich.
Nebenbei hat die Gemeinde auch einige Probleme, von denen mir Father Aurelio berichtet hat. Keine Privatisierung von gesellschaftlichen Problemen! Ich muss da wohl oder übel die Distanz wahren und sehen, was ich bzw. die Gemeinde in Deutschland eventuell tun kann – nachhaltig muss es sein und irgendetwas mit der Schule zu tun haben. So ein Internet Café wäre nicht schlecht. Räume stehen zur Verfügung, Father Aurelio hat auch Computer hier, es muss nur noch ne Verbindung zum WWW hergestellt werden – wohl übers Handy, evtl. UMTS, GPRS oder so. Da werde ich mich nächste Woche mal drum kümmern. Damit wäre dann zumindest endlich eine einigermaßen konstante Kommunikation zur Schule möglich und die Gemeinde hätte eine zusätzliche Einnahmequelle – momentan finanziert Father Aurelio alles aus den Kollekten, um die 60€ pro Monat. Ist halt echt scheiße, wenn da das Auto kaputt ist, oder die Stromrechnung zu hoch...Und ein Gehalt bekommt er auch nicht, also muss er Essen etc. auch davon bezahlen, was hier in Ghana nicht ungewöhnlich ist, allerdings sind 60€ hier in Ghana auch nicht so wenig, wie es für uns klingt.